Kaum ein Wurffehler ist beim Fliegenfischen so verbreitet und gleichzeitig so tückisch wie der Tailing Loop. Er kostet nicht nur Wurfweite, sondern sorgt für kleine Knoten im Vorfach, die du oft erst bemerkst, wenn ein guter Fisch abreißt. Wer seine Würfe verbessern will, sollte den Fehler deshalb erkennen, verstehen und gezielt abstellen können. Hier erfährst du, wie ein Tailing Loop entsteht, woran du ihn erkennst und mit welchen Übungen du ihn loswirst.
Das Wichtigste in Kürze
- Was passiert: Der obere Teil der Schlaufe fällt unter den unteren und kreuzt ihn.
- Folge: Schnur und Vorfach verheddern sich, es entstehen Windknoten im Vorfach.
- Hauptursache: Ungleichmäßige Kraftübertragung, meist eine ruckartige Kraftspitze im Wurf.
- Zweite Ursache: Ein zu kurzer Wurfbogen für die Menge Schnur, die in der Luft ist.
- Risiko: Windknoten schwächen die Tragkraft des Vorfachs deutlich.
Wie entsteht ein Tailing Loop?
Bei einem sauberen Wurf bildet die Schnur eine Schlaufe mit zwei Schenkeln: dem unteren Teil, der mit der Rute verbunden ist, und dem oberen Teil, der zur Fliege führt und nach vorn abrollt. Dafür muss sich die Rutenspitze während der Beschleunigung auf einer möglichst geraden Bahn bewegen. Die Schnur folgt genau dieser Bahn.
Sinkt die Rutenspitze während des Wurfs nach unten ab und steigt danach wieder, beschreibt sie eine Delle. Die Schnur übernimmt diese Bewegung: Der obere Schenkel fällt unter den unteren, kreuzt ihn und bildet von der Seite betrachtet eine Art liegende Acht. Das passiert typischerweise, wenn die Rute plötzlich stark durchgebogen wird – etwa durch einen Ruck am Anfang oder in der Mitte des Wurfs – oder wenn der Wurfbogen für die Schnurlänge zu eng ist. Die Rute biegt sich dann so stark, dass ihre Spitze unter die gerade Linie abtaucht.
Ursachen und Abhilfe im Überblick
| Ursache | Woran du sie erkennst | Abhilfe |
|---|---|---|
| Kraftspitze, ruckartiger Wurf | Tailing tritt vor allem bei Krafteinsatz auf | Gleichmäßig beschleunigen, erst am Ende kräftig werden |
| Zu kurzer Wurfbogen | Tailing bei langer Schnur, kurze Würfe sind sauber | Wurfbogen mit der Schnurlänge vergrößern |
| Zu früher Vorwurf (Creep) | Rute rutscht in der Pause schon nach vorn | Pause abwarten, Rute ruhig hinten halten |
| Ungleichmäßiger Zug | Tailing vor allem beim Doppelzug | Zug und Rutenbewegung synchronisieren |
| Rutenspitze taucht in der Beschleunigung ab | Schlaufe kreuzt auch bei ruhigem Wurf | Rutenspitze auf gerader Bahn führen, Hand nicht abkippen |
Windknoten: die Folge eines Tailing Loops
Fallen die Schenkel ineinander, schlingt sich das Vorfach um sich selbst und es entsteht ein einfacher Überhandknoten. Diese Knoten heißen Windknoten, obwohl Wind nur selten die Ursache ist. Ein Windknoten zieht sich unter Last eng zusammen, knickt das Material und schwächt es an dieser Stelle deutlich. Ein dünnes Tippet kann dann schon bei einem mittleren Fisch reißen, obwohl es nominell genug Tragkraft hätte.
Prüfe dein Vorfach deshalb regelmäßig, indem du es durch die Finger laufen lässt. Einen frischen, lockeren Windknoten kannst du mit einer Nadel öffnen. Hat er sich bereits zugezogen, ersetze das betroffene Stück. Besonders bei feinem Fluorocarbon und hohen X-Stärken solltest du keine Kompromisse machen.
So bekommst du den Tailing Loop in den Griff
- Mit kurzer Schnur beginnen, etwa sechs bis acht Meter, und auf gleichmäßige Beschleunigung achten.
- Den Wurf langsam starten und erst kurz vor dem Stopp richtig Kraft geben.
- Mit der Schnurlänge den Wurfbogen bewusst vergrößern – längere Schnur braucht einen weiteren Weg der Rutenspitze.
- Die Wurfhand auf einer geraden Linie führen, als würdest du einen Nagel in eine Wand schlagen.
- Seitlich werfen und die Schlaufen beobachten; so erkennst du sofort, wann der obere Teil absackt.
Wenn du den Doppelzug einsetzt, übe ihn zunächst getrennt. Ein zu früher oder ruckartiger Zug wirkt wie eine Kraftspitze in der Rute und ist eine häufige Ursache für Tailing bei fortgeschrittenen Werfern.
Typische Fehler
- Mehr Kraft gegen Tailing: Wer auf Weite drückt, verstärkt den Fehler meist; ruhiger werfen hilft mehr.
- Gleicher Wurfbogen für jede Länge: Kurze und lange Würfe brauchen unterschiedlich weite Bewegungen.
- Windknoten ignorieren: Ein Knoten im Tippet ist eine Sollbruchstelle, auch wenn er klein aussieht.
- Nur auf die Vorwürfe achten: Tailing gibt es auch im Rückwurf; schau dir beide Richtungen an.
Praxistipp von Flylures
Unser Tipp: Lass dich beim Üben einmal von der Seite filmen oder werfen, während jemand zuschaut. Viele Werfer spüren nicht, dass sie den Wurf mit einem Ruck beginnen – auf dem Video ist es sofort zu sehen. Wer gezielt an seiner Technik arbeiten möchte, kann das beim Guiding mit uns direkt am Wasser tun.
Häufige Fragen zu Tailing Loop
Was ist ein Tailing Loop?
Ein Tailing Loop ist eine fehlerhafte Wurfschlaufe, bei der der obere Teil der Schnur unter den unteren fällt und ihn kreuzt. Dadurch verheddern sich Schnur und Vorfach.
Was ist die häufigste Ursache für einen Tailing Loop?
Meist ist es eine ungleichmäßige Kraftübertragung, also ein Ruck im Wurf. Auch ein Wurfbogen, der für die Schnurlänge zu kurz ist, führt häufig zu Tailing.
Was sind Windknoten?
Windknoten sind kleine Überhandknoten im Vorfach, die durch Tailing Loops entstehen. Sie schwächen die Tragkraft des Vorfachs deutlich und sollten entfernt oder ersetzt werden.
Wie werde ich Windknoten wieder los?
Lockere Knoten lassen sich mit einer Nadel öffnen. Hat sich ein Windknoten bereits zugezogen, schneidest du das Stück heraus und bindest neues Tippet an.
Kann Wind einen Tailing Loop verursachen?
Wind kann Schlaufen verformen, die Hauptursache liegt aber fast immer in der Wurftechnik. Oft führt Wind indirekt zu Tailing, weil man dagegen mit zu viel Kraft wirft.