Am Bach mit Büschen im Rücken, an einer steilen Böschung oder beim Watfischen mit hohem Ufer hinter dir ist für einen Rückwurf schlicht kein Platz. Der Rollwurf löst dieses Problem, weil die Schnur nie gestreckt hinter dir liegen muss. Er ist außerdem ein praktisches Werkzeug, um Schnur zu ordnen, eine sinkende Schnur an die Oberfläche zu holen oder eine Nymphe aus dem Wasser zu heben. Viele Lehrer bringen ihn Einsteigern direkt nach dem Überkopfwurf bei, weil er schnell zu Erfolgen führt – mehr dazu im Ratgeber Fliegenfischen für Anfänger.
Das Wichtigste in Kürze
- Kein Rückwurf: Die Schnur bildet hinter dir eine D-Schlaufe statt einer gestreckten Schlaufe.
- Wasserspannung: Der Teil der Schnur, der auf dem Wasser liegt, verankert sie und sorgt für die nötige Spannung.
- Einsatz: Enge Ufer, Hindernisse im Rücken, Schnur ordnen, sinkende Schnüre anheben.
- Grenzen: Weite und Präzision sind geringer als beim Überkopfwurf; auf Rasen funktioniert er kaum.
- Weiterentwicklung: Der Rollwurf ist die Grundlage der Spey-Würfe beim Zweihandfischen.
Wie funktioniert der Rollwurf?
Beim Überkopfwurf lädt die gestreckte Schnur hinter dir die Rute auf. Beim Rollwurf übernimmt das Wasser diese Aufgabe: Ein Stück Schnur bleibt vor dir auf der Oberfläche liegen und haftet dort. Die Schnur zwischen Rutenspitze und Wasser hängt als D-förmiger Bogen hinter und neben dir. Beschleunigst du die Rute nun nach vorn, zieht sie gegen den Widerstand des verankerten Teils, die Rute biegt sich, und die Schnur rollt als Schlaufe über das Wasser nach vorn ab.
Weil das Wasser für die Verankerung nötig ist, lässt sich der Rollwurf auf der Wiese kaum sinnvoll üben. Ein ruhiger Teich oder ein Abschnitt mit wenig Strömung ist ideal.
Rollwurf Schritt für Schritt
- Lege etwa 6 bis 10 Meter Schnur gestreckt vor dir aufs Wasser. Die Rutenspitze zeigt zum Wasser.
- Hebe die Rute langsam an und führe sie leicht nach hinten und etwas zur Seite, bis die Hand etwa auf Höhe deines Ohrs ist und die Rute leicht nach hinten geneigt steht.
- Warte, bis die Schnur hinter der Rute als D-Schlaufe hängt und sich nicht mehr bewegt. Die Schnurspitze bleibt dabei vor dir auf dem Wasser.
- Beschleunige die Rute zügig und gleichmäßig nach vorn, als wolltest du einen Nagel in Augenhöhe vor dir einschlagen.
- Stoppe die Rute klar etwas oberhalb der Waagerechten. Die Schlaufe rollt über das Wasser ab.
- Senke die Rute erst, wenn die Schnur sich fast gestreckt hat.
Varianten und verwandte Würfe
| Wurf | Was passiert | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Statischer Rollwurf | D-Schlaufe wird langsam aufgebaut, kurze Pause vor dem Vorwurf | Grundform, enge Plätze, Einsteiger |
| Rollwurf zum Aufnehmen (Roll Cast Pickup) | Rollwurf in die Luft, dann direkt Überkopf-Rückwurf | Sinkende Schnur oder Nymphe an die Oberfläche holen |
| Switch Cast (dynamischer Rollwurf) | Schnur wird in einer fließenden Bewegung angehoben und als D-Schlaufe gesetzt | Mehr Weite, Übergang zu Spey-Würfen |
| Spey-Würfe | Richtungswechsel und D-Schlaufe mit Ankerpunkt seitlich | Zweihand- und Switchruten, große Flüsse |
Längere Ruten erleichtern den Rollwurf, weil sie mehr Schnur vom Wasser heben und eine größere D-Schlaufe erlauben. Auch Schnüre mit längerer, kräftiger Keule rollen besser ab als sehr kurze, kompakte Keulen.
Typische Fehler beim Rollwurf
- Zu schnell angehoben: Reißt du die Rute hoch, hebt sich die ganze Schnur vom Wasser und die Verankerung fehlt.
- Keine Pause: Startest du den Vorwurf, bevor die D-Schlaufe steht, fehlt die Spannung.
- Rute zu weit nach hinten: Eine stark nach hinten gekippte Rute führt zu einer offenen, kraftlosen Schlaufe.
- Durchschlagen statt stoppen: Ohne klaren Stopp knallt die Schnur in einem Haufen aufs Wasser.
- Schnur kreuzt die Rute: Liegt die D-Schlaufe auf der falschen Seite, verfängt sich die Schnur. Die Schlaufe gehört auf die Seite deiner Wurfhand – bei Wind von dieser Seite wirfst du über die andere Schulter.
Wann ist der Rollwurf die richtige Wahl?
Immer dann, wenn hinter dir Hindernisse stehen oder du die Schnur nur ordnen möchtest. Beim Euro-Nymphing und beim Fischen mit Nymphen allgemein hilft er, die Montage schonend neu zu platzieren. Am kleinen Bach ist er oft der wichtigste Wurf überhaupt. Für maximale Weite oder präzise Präsentation auf große Distanz bleibt dagegen der Überkopfwurf, gegebenenfalls mit Doppelzug, die bessere Wahl.
Praxistipp von Flylures
Unser Tipp: Achte beim Anheben auf das Tempo – langsam und gleichmäßig, bis die D-Schlaufe steht, dann zügig nach vorn. Beobachte die Schnurspitze: Bleibt sie liegen, hast du die Verankerung richtig aufgebaut. Ein kurzer Blick über die Schulter auf die D-Schlaufe hilft am Anfang mehr als jede Theorie.
Häufige Fragen zu Rollwurf
Wofür brauche ich den Rollwurf?
Vor allem dort, wo hinter dir kein Platz für einen Rückwurf ist. Außerdem hilft er, Schnur zu ordnen und sinkende Schnüre oder Nymphen an die Oberfläche zu holen.
Kann ich den Rollwurf auf der Wiese üben?
Nur eingeschränkt. Der Rollwurf braucht die Haftung der Schnur auf dem Wasser, deshalb übst du am besten an einem ruhigen Teich oder einer strömungsarmen Stelle.
Was ist die D-Schlaufe?
Die D-Schlaufe ist der Schnurbogen, der beim Anheben der Rute hinter und neben dir hängt. Zusammen mit dem auf dem Wasser verankerten Schnurteil lädt sie die Rute für den Vorwurf auf.
Wie weit kann man mit dem Rollwurf werfen?
Mit Einhandrute sind es in der Praxis meist kürzere bis mittlere Distanzen. Längere Ruten und passende Schnüre ermöglichen mehr Weite, die Spey-Würfe mit Zweihandrute noch deutlich mehr.
Was ist der Unterschied zwischen Rollwurf und Spey-Wurf?
Der Rollwurf wirft in dieselbe Richtung, in der die Schnur liegt. Spey-Würfe bauen die D-Schlaufe mit einem Richtungswechsel auf und werden vor allem mit Zweihandruten geworfen.