Fachbegriff

Steinfliege

Steinfliege bezeichnet ein Wasserinsekt der Ordnung Plecoptera, dessen Larven meist in kalten, sauerstoffreichen Fließgewässern leben. Zum Schlupf krabbeln sie an Land, deshalb imitierst du vor allem die Larve.

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Wer an einem kalten, klaren Bach Steine umdreht, findet sie oft: kräftige Larven mit zwei Schwanzfäden. Steinfliegen werden am Wasser leicht übersehen, weil sie typischerweise nicht in der Oberfläche schlüpfen. An kalten, steinigen Gewässern gehören sie beim Nymphenfischen trotzdem zu den wichtigen Vorbildern. Hier erfährst du, wie sie leben, warum ihr Schlupf anders abläuft als bei der Eintagsfliege und welche Imitationen sich lohnen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ordnung: Plecoptera, weltweit etwa 3.500 Arten, in Deutschland rund 120.
  • Lebensraum: Vor allem kalte, sauerstoffreiche Fließgewässer mit steinigem Grund.
  • Schlupf: Die Larve krabbelt ans Ufer und häutet sich an Land, auf Steinen oder an Pflanzen.
  • Erkennen: Vier Flügel liegen in Ruhe flach auf dem Rücken, die Larve trägt zwei Schwanzfäden.
  • Hakengrößen: Große Larven #6 bis #10, Yellow Sally #12 bis #16, kleine Arten #14 bis #18.

Biologie: Leben unter Steinen

Steinfliegen haben eine unvollständige Verwandlung: Es gibt keine Puppe, die Larve ähnelt mit jeder Häutung mehr dem fertigen Insekt. Die Entwicklung dauert meist ein Jahr, bei großen Arten der Familie Perlidae bis zu vier Jahre. Die Larven halten sich auf und unter Steinen, in Moospolstern oder Detritus auf. Kleine Arten fressen vor allem abgestorbenes Pflanzenmaterial oder weiden Aufwuchs ab, große Perlidae und Perlodidae jagen Eintagsfliegen- und Zuckmückenlarven.

Das Fluginsekt lebt einige Tage bis mehrere Wochen, also meist länger als eine Eintagsfliege. Viele Arten fliegen schlecht und bleiben in Gewässernähe. Zur Partnersuche trommeln die Tiere mit dem Hinterleib auf den Untergrund. Die Paarung findet am Boden oder auf Pflanzen statt.

Schlupf: Warum du ihn kaum auf dem Wasser siehst

Der wichtigste Unterschied zur Eintagsfliege: Die Häutung zum Fluginsekt findet typischerweise nicht in der Wasseroberfläche statt. Die reife Larve wandert in flacheres Wasser, verlässt den Fluss und klettert auf Steine, Stängel, Äste oder Baumstämme. Dort bleibt die leere Larvenhaut zurück. Winterarten können sogar im Luftraum unter dem Eis schlüpfen und laufen dann ins Freie.

Für dich heißt das: Schlüpfende Steinfliegen sind für Forellen kaum erreichbar, die wandernde Larve dagegen sehr wohl. Wieder aufs Wasser gelangen vor allem die Weibchen bei der Eiablage und Tiere, die der Wind verweht. Die Eier landen auf der Oberfläche und sinken zum Grund. Anders als die aufrecht treibenden Duns der Eintagsfliegen liegen eierlegende Steinfliegen oft tief im Wasserfilm.

Gewässer: Zeiger für gute Wasserqualität

Die meisten Arten sind auf kaltes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen, wie es in Quellbächen und Oberläufen vorkommt. Viele Larven haben keine Kiemen und atmen über die Haut, andere, vor allem größere Arten, besitzen Kiemenbüschel. Deshalb nimmt die Artenzahl von den Alpen über die Mittelgebirge zum Flachland ab. Weil die meisten Arten empfindlich auf Verschmutzung und Nährstoffeinträge reagieren, gelten sie als Anzeiger für gute Gewässerqualität. Nur wenige Arten leben in Seen oder langsamen Tieflandbächen, etwa Taeniopteryx nebulosa.

Wichtige Gruppen in Mitteleuropa

GruppeBeispieleGröße und ZeitImitation
Große PerlidaePerla marginata, Dinocras cephalotesLarve bis über 30 mm, Schlupf spätes Frühjahr bis FrühsommerSchwere Nymphe #6–#10
PerlodidaeIsoperla grammatica (Yellow Sally), PerlodesSally gelblich, Frühjahr bis Sommer; bringt selten Fische an die OberflächeNymphe oder Trockenfliege #12–#16
Frühe ArtenTaeniopteryx, BrachypteraErste Tiere im Februar, Hauptzeit März und AprilSchlanke Nassfliege oder Trockenfliege um #14
Kleine, dunkle ArtenLeuctra, Capnia, NemouraSchlank, je nach Art zu verschiedenen ZeitenSchlanke Muster #14–#18

So fischst du Steinfliegen-Imitationen

Da große Larven über mehrere Jahre im Wasser sind, finden Forellen sie das ganze Jahr. Eine Imitation lohnt sich also auch ohne sichtbaren Schlupf. Sie muss schwer sein, denn die Vorbilder sind massig und bleiben am Grund. Fische sie durch Rinnen, hinter Blöcke und entlang von Strömungskanten, sodass sie den Grund berührt. Das gelingt gut mit Euro-Nymphing oder einem Yarn-Indikator und möglichst wenig Drag.

  1. Im späten Frühjahr suchst du am Ufer nach leeren Larvenhäuten auf Steinen.
  2. Finden sich welche, verlegst du die Nymphe in flachere Bereiche am Rand.
  3. Ist kein Schlupf erkennbar, fischst du in tiefen Läufen über Steingrund.
  4. Fliegen Weibchen flach über dem Wasser, versuchst du eine tief im Film liegende Trockenfliege, die du leicht zucken oder gleiten lässt.

Bei den frühen Arten kann ein schlankes Spider-Muster oder eine leichte Nassfliege knapp unter der Oberfläche besser funktionieren als eine schwere Nymphe.

Typische Fehler

  • Auf Steigringe warten: Ohne Steigringe heißt nicht ohne Steinfliegen; die Hauptnahrung läuft unter Wasser.
  • Zu leichte Nymphe: Eine große Imitation, die über dem Grund treibt, fängt deutlich schlechter.
  • Verwechslung: Köcherfliegen tragen die Flügel dachförmig, Steinfliegen flach und eng auf dem Rücken.
  • Steine nicht zurücklegen: Wer zur Kontrolle Steine umdreht, legt sie danach wieder an die alte Stelle.

Praxistipp von Flylures

Unser Tipp: Sieh dir die Steine am Ufer an, bevor du anfängst. Leere Larvenhäute zeigen dir ohne Bestimmungsbuch, welche Größe gerade unterwegs ist. Für den Einstieg reichen wenige beschwerte Muster in Braun und Oliv in #8 und #12. Eine Auswahl findest du bei unseren Nymphen.

Häufige Fragen zu Steinfliege

Wo schlüpfen Steinfliegen?

Die Larven krabbeln aus dem Wasser und häuten sich an Land, etwa auf Steinen, an Stängeln oder Baumstämmen. Anders als viele Eintagsfliegen schlüpfen sie typischerweise nicht in der Wasseroberfläche.

Woran erkenne ich eine Steinfliege?

Das Fluginsekt trägt vier Flügel flach über dem Rücken. Die Larve erkennst du an zwei Schwanzfäden und langen Fühlern, während Eintagsfliegenlarven meist drei Schwanzfäden und Kiemen am Hinterleib haben.

Wie lange leben Steinfliegen?

Die Larve lebt meist ein Jahr, große Arten bis zu vier Jahre. Das Fluginsekt lebt einige Tage bis mehrere Wochen.

Warum gelten Steinfliegen als Anzeiger für gutes Wasser?

Die meisten Arten brauchen kaltes, sauerstoffreiches Wasser und reagieren empfindlich auf Verschmutzung. Ihr Vorkommen deutet deshalb meist auf gute Wasserqualität hin.

Lohnt sich die Trockenfliege bei Steinfliegen?

Vor allem dann, wenn Weibchen zur Eiablage auf dem Wasser sind oder der Wind Tiere auf die Oberfläche weht. Sonst ist die beschwerte Nymphe meist die bessere Wahl.

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