Kaum ein Begriff wird unter Anglern so kontrovers diskutiert wie Catch & Release. In vielen Ländern ist das Zurücksetzen gefangener Fische fester Bestandteil des Fliegenfischens. In Deutschland ist die Lage komplizierter, weil Tierschutzrecht und Landesfischereirecht hier eigene Maßstäbe setzen. Diese Seite erklärt, was hinter dem Begriff steckt, welche Regeln du kennen solltest und wie du einen Fisch schonend behandelst, wenn er zurück ins Wasser muss oder darf. Eine Rechtsberatung ersetzt sie nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Bedeutung: Fang und anschließendes Zurücksetzen eines lebenden Fisches.
- Rechtslage: in Deutschland umstritten und je nach Bundesland, Gewässer und Situation unterschiedlich geregelt.
- Pflicht zum Zurücksetzen: besteht zum Beispiel bei untermaßigen Fischen, in Schonzeiten oder bei geschützten Arten.
- Verbindlich: sind dein Landesfischereirecht, die Gewässerordnung, der Erlaubnisschein und Vorgaben deines Vereins.
- Schonender Umgang: kurzer Drill, nasse Hände, Fisch möglichst im Wasser lassen, Haken zügig lösen.
Was bedeutet Catch & Release?
Der Ausdruck kommt aus dem Englischen und heißt wörtlich „fangen und freilassen“. Gemeint ist, dass ein Fisch nach dem Fang nicht entnommen, sondern lebend zurückgesetzt wird. International, etwa in Nordamerika oder Skandinavien, gibt es Strecken, an denen das Zurücksetzen vorgeschrieben ist. Davon zu unterscheiden ist das selektive Entnehmen: Dabei werden nur einzelne Fische behalten, andere gehen zurück, etwa weil sie zu klein sind oder unter Schutz stehen.
Wie ist die Rechtslage in Deutschland?
In Deutschland gibt es keine einheitliche Regel. Das Fischereirecht ist Ländersache, und jedes Bundesland hat ein eigenes Fischereigesetz mit Verordnungen. Hinzu kommt das Tierschutzrecht. Nach verbreiteter Auffassung braucht das Angeln einen vernünftigen Grund, in der Regel die Verwertung des Fisches als Nahrung. Angeln mit dem festen Vorsatz, jeden Fisch zurückzusetzen, gilt deshalb vielerorts als problematisch. Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen du einen Fisch zurücksetzen musst. Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, hängt vom Bundesland und den Umständen ab. Diese Seite gibt keine Rechtsauskunft.
| Situation | Was typischerweise gilt | Wo du es nachliest |
|---|---|---|
| Fisch unter dem Mindestmaß | muss in der Regel schonend zurückgesetzt werden | Landesfischereiverordnung, Gewässerordnung |
| Fisch in der Schonzeit | muss in der Regel zurückgesetzt werden | Landesfischereiverordnung, Gewässerordnung |
| Ganzjährig geschützte Art | darf nicht entnommen werden | Landesrecht, Naturschutzrecht |
| Fangbegrenzung erreicht | weitere Fische dürfen nicht entnommen werden | Erlaubnisschein, Gewässerordnung |
| Maßiger Fisch ohne Einschränkung | Entnahme oder Zurücksetzen hängt von Landesrecht und örtlichen Regeln ab | Gewässerordnung, Verein, Fischereibehörde |
Manche Gewässerordnungen enthalten zusätzliche Vorgaben, zum Beispiel Entnahmefenster, Fangbegrenzungen oder Regeln für bestimmte Arten. Im Zweifel fragst du beim Bewirtschafter, deinem Verein oder der zuständigen Fischereibehörde nach.
Schonend zurücksetzen – Schritt für Schritt
Wenn ein Fisch zurück ins Wasser muss oder nach den geltenden Regeln zurückgesetzt werden darf, entscheidet der Umgang über seine Überlebenschancen:
- Kurz drillen: Gerät und Tippet so wählen, dass du den Fisch zügig landen kannst.
- Schonend landen: Einen Kescher mit gummiertem oder knotenlosem Netz verwenden.
- Im Wasser lassen: Den Fisch möglichst nicht aus dem Wasser heben, mindestens aber nur sehr kurz.
- Nasse Hände: Den Fisch nur mit nassen Händen und ohne Druck auf Bauch und Kiemen anfassen.
- Haken lösen: Mit Zange oder Hakenlöser zügig lösen; Barbless-Haken machen das deutlich leichter.
- Erholen lassen: Den Fisch mit dem Kopf gegen die Strömung halten, bis er von selbst wegschwimmt.
Einen Fisch, den du entnimmst, betäubst und tötest du dagegen unverzüglich und fachgerecht, so wie es in der Fischerprüfung vermittelt wird.
Typische Fehler im Umgang mit dem Fisch
- Lange Fotopausen: Jede Sekunde an der Luft belastet den Fisch.
- Trockene Hände oder Tücher: Sie beschädigen die schützende Schleimhaut.
- Griff in die Kiemen: Kiemen sind sehr empfindlich und bluten schnell.
- Erschöpfenden Drill in Kauf nehmen: Zu leichtes Gerät verlängert den Drill unnötig.
Praxistipp von Flylures
Unser Tipp: Kläre vor jedem neuen Gewässer, was dort gilt – Mindestmaße, Schonzeiten, Fangbegrenzungen und Hakenvorschriften stehen in der Gewässerordnung oder auf dem Erlaubnisschein, und dein Verein kann Fragen zur Auslegung beantworten. Unabhängig davon lohnt sich die Ausrüstung für einen schonenden Umgang: ein gummierter Kescher, eine Zange aus Zangen & Hakenlöser und widerhakenlose Haken. Sie helfen bei jedem Fisch, der vorschriftsgemäß zurückgesetzt werden muss.
Häufige Fragen zu Catch & Release
Was bedeutet Catch & Release?
Catch & Release heißt „fangen und freilassen“: Ein gefangener Fisch wird nicht entnommen, sondern lebend zurück ins Gewässer gesetzt.
Ist Catch & Release in Deutschland erlaubt?
Das ist rechtlich umstritten und nicht einheitlich geregelt. Maßgeblich sind das Fischereirecht deines Bundeslandes, das Tierschutzrecht, die Gewässerordnung und dein Erlaubnisschein; im Zweifel fragst du deinen Verein oder die Fischereibehörde.
Wann muss ich einen Fisch zurücksetzen?
In der Regel, wenn er das Mindestmaß nicht erreicht, in der Schonzeit gefangen wurde oder ganzjährig geschützt ist. Auch eine erreichte Fangbegrenzung kann eine weitere Entnahme ausschließen. Die genauen Regeln stehen im Landesrecht und in der Gewässerordnung.
Wie setze ich einen Fisch schonend zurück?
Kurz drillen, mit gummiertem Kescher landen, den Fisch möglichst im Wasser lassen und nur mit nassen Händen anfassen. Den Haken zügig lösen und den Fisch gegen die Strömung halten, bis er selbst wegschwimmt.
Helfen Barbless-Haken beim Zurücksetzen?
Ja, Haken ohne Widerhaken lassen sich schneller und mit kleinerer Verletzung lösen. Das verkürzt die Zeit, die der Fisch außerhalb seiner gewohnten Lage verbringt.