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Unterhandwurf

Unterhandwurf ist eine aus Skandinavien stammende Wurftechnik, bei der die untere Hand am Rutengriff die Hauptkraft liefert. Sie wird vor allem mit Zweihandruten und kurzen Schussköpfen ohne Rückraum geworfen.

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Wer an breiten Flüssen mit hohem Ufer, Büschen oder Bäumen im Rücken fischt, stößt mit dem klassischen Überkopfwurf schnell an Grenzen: Für den Rückwurf fehlt schlicht der Platz. Genau hier spielt der Unterhandwurf seine Stärken aus. Die Technik stammt aus Skandinavien, wo sie vor allem für das Lachs- und Meerforellenfischen mit der Zweihandrute weiterentwickelt wurde. Sie gilt als kraftsparend, kompakt und vergleichsweise schnell erlernbar. Hier erfährst du, wie der Wurf funktioniert, welches Gerät du brauchst und wie du typische Fehler vermeidest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prinzip: Die untere Hand am Griffende liefert die Hauptkraft, die obere Hand führt und stoppt die Rute.
  • Platzbedarf: Kein klassischer Rückwurf nötig – die Schnur bildet seitlich ein D-Loop hinter dir.
  • Gerät: Typisch sind Zweihand- oder Switchruten mit kurzem Schusskopf, Running Line und Polyleader.
  • Anker: Nur kurzer Wasserkontakt der Schnurspitze bzw. des Vorfachs, oft als „Touch and go“ bezeichnet.
  • Einsatz: Lachs, Meerforelle, Äsche und Forelle an mittleren bis großen Flüssen, auch mit Einhandruten möglich.

Wie funktioniert der Unterhandwurf?

Beim klassischen Zweihandwurf schiebt die obere Hand die Rute nach vorn, die untere Hand hilft nur mit. Beim Unterhandwurf ist es umgekehrt: Die untere Hand am Griffende zieht beim Vorwurf kräftig und kurz zum Körper, etwa in Richtung Bauch. Dadurch entsteht ein Hebel, der die Rute schnell beschleunigt, während die obere Hand vor allem die Richtung vorgibt und die Rute oben sauber stoppt. Der Wurf wirkt dadurch kompakt und braucht wenig Armbewegung.

Vor dem Vorwurf wird die Schnur in einer flüssigen Bewegung seitlich nach hinten geführt, sodass sich neben und hinter dir eine Schlaufe bildet, das sogenannte D-Loop. Die Schnurspitze bzw. das Vorfach berühren dabei nur kurz das Wasser und dienen als Anker. Aus dieser Spannung lädt sich die Rute, die Schnur rollt nach vorn ab, und die Running Line schießt aus der Hand. Im Grundsatz ist das eine Weiterentwicklung des Rollwurfs, nur mit dynamischerer Schnurführung.

Das passende Gerät

Der Unterhandwurf ist eng mit kurzen, kompakten Schnüren verbunden. Üblich ist ein skandinavischer Schusskopf mit einer dünnen Running Line dahinter. Vorne folgt meist ein Polyleader, der die Energie gleichmäßig auf das Vorfach überträgt und je nach Version schwimmt oder sinkt. Die Kopflänge orientiert sich an der Rutenlänge; Hersteller geben passende Kopfgewichte für ihre Ruten an, und diese Angaben sind wichtiger als die reine Schnurklasse.

MerkmalUnterhandwurfKlassischer SpeywurfÜberkopfwurf
HauptkraftUntere Hand ziehtObere Hand schiebtWurfhand
SchnurKurzer Schusskopf + Running LineOft lange SpeyschnurWF- oder DT-Schnur
RückraumSehr wenigWenigViel
AnkerKurz, „Touch and go“Länger auf dem WasserKein Anker
Typische RuteZweihand, Switch, EinhandLange ZweihandruteEinhandrute

Gängige Wurfvarianten

Der Unterhandwurf ist eher eine Technik als ein einzelner Wurf. Die Grundbewegung lässt sich mit verschiedenen Spey-Würfen kombinieren, je nachdem, von welcher Seite der Wind kommt und an welchem Ufer du stehst.

Single Spey und Snap T

Diese Würfe eignen sich, wenn die Schnur flussab liegt und du die Richtung um einen moderaten Winkel ändern willst. Beim Snap T wird die Schnur mit einer schnellen Bewegung neu positioniert, bevor das D-Loop entsteht.

Double Spey

Beim Double Spey legst du die Schnur zunächst flussab neben dir ab und formst dann das D-Loop auf der flussabwärts gelegenen Seite. Das ist die sichere Wahl, wenn der Wind auf deine Wurfarmseite drückt.

Unterhandwurf Schritt für Schritt

  1. Schnur gestreckt flussab vor dir liegen lassen, Running Line locker in der oberen Hand halten.
  2. Rutenspitze langsam anheben und den Kopf so weit einholen, dass nur noch ein kurzer Überhang aus dem Spitzenring ragt.
  3. Rute seitlich und gleichmäßig nach hinten führen, bis sich das D-Loop bildet und die Schnurspitze kurz das Wasser berührt.
  4. Ohne Pause in den Vorwurf übergehen: untere Hand kurz und kräftig zum Körper ziehen, obere Hand führt nach vorn.
  5. Rute auf etwa Augenhöhe abrupt stoppen und die Running Line erst loslassen, wenn die Schlaufe nach vorn rollt.

Typische Fehler

  • Zu viel Kraft mit der oberen Hand: Die Schlaufe wird rund und offen, weil die Rute geschoben statt gehebelt wird.
  • Zu langer Anker: Bleibt zu viel Schnur auf dem Wasser, bremst die Oberflächenspannung den Wurf aus.
  • Pause nach dem Rückschwung: Fällt das D-Loop in sich zusammen, fehlt die Spannung für den Vorwurf.
  • Falscher Kopf zur Rute: Ein zu leichter oder zu schwerer Schusskopf macht den Wurf unnötig schwer.

Praxistipp von Flylures

Unser Tipp: Übe die Bewegung zunächst ohne Wurfdruck und achte nur darauf, dass die untere Hand die Arbeit übernimmt. Viele Werfer verbessern sich sofort, wenn sie die obere Hand bewusst locker lassen. Wer die Technik direkt am Wasser lernen möchte, findet bei unserem Flyfishing Camp oder beim Guiding passende Gelegenheiten.

Häufige Fragen zu Unterhandwurf

Was ist der Unterschied zwischen Unterhandwurf und Speywurf?

Beide Würfe arbeiten mit Anker und D-Loop. Beim Unterhandwurf liefert jedoch die untere Hand die Hauptkraft, und meist wird ein kurzer Schusskopf mit Running Line gefischt.

Kann man den Unterhandwurf mit einer Einhandrute werfen?

Ja, die Technik lässt sich auch mit Einhandruten anwenden, dann meist mit einem kurzen Kopf. Mit Zweihand- und Switchruten spielt sie ihre Vorteile aber am deutlichsten aus.

Welche Schnur brauche ich für den Unterhandwurf?

Bewährt hat sich ein skandinavischer Schusskopf mit Running Line und Polyleader. Das Kopfgewicht sollte zur Rute passen, die Herstellerangaben helfen bei der Auswahl.

Ist der Unterhandwurf für Einsteiger geeignet?

Ja, er gilt als vergleichsweise schnell erlernbar und kraftsparend. Eine Unterrichtsstunde hilft trotzdem, weil sich Fehler in der Handarbeit allein schwer erkennen lassen.

Woher kommt der Unterhandwurf?

Die Technik wurde in Skandinavien entwickelt und dort vor allem für das Fischen auf Lachs und Meerforelle an großen Flüssen verfeinert.

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