Im Fluss treibt eine Fliege selten lange ganz natürlich. Unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten zwischen dir und der Fliege ziehen die Schnur in Bögen, und dieser Zug überträgt sich auf die Fliege. Forellen und Äschen bemerken das sofort und verweigern. Mending ist die wichtigste Technik, um dieses Problem zu lösen, und gehört zu den Grundfertigkeiten am Fließgewässer. Sie ist leicht zu verstehen, braucht aber etwas Übung, damit die Fliege dabei an ihrem Platz bleibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Zweck: Drag verhindern, damit die Fliege so frei wie ein natürliches Insekt treibt.
- Bewegung: Halbkreis mit der Rutenspitze, die Schnur wird angehoben und versetzt.
- Richtung: Stromauf zum Bremsen, stromab zum Beschleunigen der Fliege.
- Zeitpunkt: In der Luft beim Wurf (Reach Cast) oder direkt nach der Landung auf dem Wasser.
- Voraussetzung: Gut schwimmende Schnur, nicht zu viel Schnur draußen, ruhige Bewegung.
Wie funktioniert Mending?
In fast jedem Fluss fließt das Wasser nicht überall gleich schnell. Liegt deine Fliegenschnur über einer schnellen Rinne, während die Fliege im ruhigeren Wasser dahinter treibt, zieht die Strömung einen Bogen in die Schnur. Dieser Bogen läuft der Fliege voraus und zieht sie quer oder schneller als die Strömung mit – das nennt man Drag oder Dragging. Beim Mending hebst du die Schnur mit einer halbkreisförmigen Bewegung der Rutenspitze an und legst den Bogen auf die andere Seite. So gewinnt die Fliege wieder Zeit für eine natürliche Drift.
Wichtig: Bewegt werden soll nur die Schnur, nicht die Fliege. Je weniger Schnur auf dem Wasser liegt und je weniger sie am Wasser klebt, desto leichter gelingt das. Eine gut schwimmende Schnur und eine längere Rute helfen deutlich.
Arten des Mendings
| Variante | Wann? | Wirkung |
|---|---|---|
| Upstream Mend (stromauf) | Schnelle Strömung zwischen dir und der Fliege | Bremst die Fliege, verlängert die driftfreie Drift |
| Downstream Mend (stromab) | Langsamere Strömung zwischen dir und der Fliege, Streamer- und Nassfliegenschwung | Beschleunigt die Fliege bzw. den Schwung, Fliege dreht quer zur Strömung |
| Luft-Mend (Reach Cast) | Direkt beim Wurf, noch bevor die Schnur landet | Schnur liegt von Anfang an stromauf versetzt, kein Nachkorrigieren nötig |
| Stack Mend | Lange Drift in gleichmäßiger Strömung | Kleine Schnurwellen werden nachgeschoben, die Fliege driftet weiter frei |
| Wiederholtes Mending | Lange Drifts über mehrere Strömungsbahnen | Mehrere kleine Korrekturen statt einer großen |
Der Luft-Mend ist oft die eleganteste Lösung: Du korrigierst, bevor das Problem entsteht, und störst die Fliege nach der Landung überhaupt nicht. Auf dem Wasser nachzumenden bleibt trotzdem unverzichtbar, weil sich die Strömungsverhältnisse während der Drift ändern.
Upstream Mend – Schritt für Schritt
- Wirf leicht schräg stromauf und lass die Schnur landen.
- Nimm lose Schnur auf, bis du eine leichte Verbindung zur Fliege hast, ohne sie zu bewegen.
- Senke die Rutenspitze, dann führe sie zügig in einem Halbkreis nach oben und stromauf – etwa so, als würdest du einen Regenbogen in die Luft zeichnen.
- Achte darauf, dass sich nur der Schnurbogen hebt und umklappt; die Fliege sollte liegen bleiben.
- Senke die Rute wieder und folge der Drift mit der Rutenspitze.
- Wiederhole kleine Korrekturen, sobald sich ein neuer Bogen bildet.
Wo Mending besonders wichtig ist
Bei der Trockenfliege und beim Nymphenfischen mit Indikator ist Mending fast Pflicht: Zieht der Bogen am Yarn-Indikator, verliert die Nymphe ihre natürliche Drift und Bisse werden schwerer erkennbar. Beim Fischen mit Nassfliege und Streamer nutzt du Mending dagegen gezielt zur Steuerung: Ein Mend stromauf lässt die Fliege tiefer sinken und langsamer schwingen, ein Mend stromab macht sie schneller. Auch beim Rollwurf kannst du direkt nach dem Wurf einen Mend anhängen, wenn wenig Platz für den Rückschwung ist.
Typische Fehler beim Mending
- Zu spät: Je länger der Bogen wächst, desto mehr Schnur musst du bewegen – und desto eher reißt du die Fliege mit.
- Zu kräftig: Eine hektische Bewegung zieht die Fliege unter Wasser oder versetzt sie.
- Rutenspitze zu tief geführt: Die Schnur klebt am Wasser und lässt sich nicht sauber umlegen.
- Zu viel Schnur draußen: Je länger der Wurf, desto schwieriger wird ein sauberer Mend. Lieber näher heranwaten.
- Verlorener Kontakt: Nach dem Mend lose Schnur nicht sofort einholen – dann fehlt beim Biss die Verbindung zum Anschlag.
Praxistipp von Flylures
Unser Tipp: Übe Mending zuerst mit einer gut sichtbaren Trockenfliege auf kurze Distanz von acht bis zehn Metern. Beobachte nach jedem Mend, ob sich die Fliege bewegt hat. Erst wenn sie zuverlässig liegen bleibt, lohnen längere Würfe. Eine gepflegte, gut schwimmende Schnur aus unserer Kategorie Fliegenschnüre erleichtert das Umlegen spürbar.
Häufige Fragen zu Mending
Was bedeutet Mending beim Fliegenfischen?
Mending ist das Umlegen der Fliegenschnur, um den Zug der Strömung auf die Fliege auszugleichen. Dadurch driftet die Fliege länger natürlich.
Wann mende ich stromauf und wann stromab?
Stromauf, wenn zwischen dir und der Fliege schnelleres Wasser liegt und die Fliege gebremst werden soll. Stromab, wenn die Fliege schneller schwingen soll, etwa beim Streamer- oder Nassfliegenfischen.
Was ist ein Reach Cast?
Beim Reach Cast führst du die Rute kurz vor der Landung der Schnur zur Seite, meist stromauf. Die Schnur liegt dann von Anfang an versetzt, und du musst weniger auf dem Wasser korrigieren.
Warum bewegt sich meine Fliege beim Mending?
Meist ist die Bewegung zu kräftig oder es liegt zu viel Schnur auf dem Wasser. Hebe die Schnur ruhiger an und verkürze die Wurfdistanz.
Brauche ich beim Nymphenfischen Mending?
Ja, beim Fischen mit Indikator und Fliegenschnur auf dem Wasser ist Mending wichtig. Beim Euro-Nymphing ohne Schnur auf dem Wasser spielt es kaum eine Rolle.